So früh wie möglich Hilfe suchen

Designstudierende entwickelten Kampagne für Beratungsstelle gegen sexualisierte Gewalt Zartbitter Münster e.V.


Alternativtext zu den Bildern im Web: Studierende, Vertreter von Zartbitter Münster, Paul Plattner-Wodarczak
Das Siegerteam mit Pascal Reckel, Veronica Broll, Konstantin Schulze und Eva Scholz freut sich mit Albert Bartel, Martin Helmer und Kirsten Hansen von Zartbitter Münster sowie Paul Plattner-Wodarczak vom Fachbereich Design der FH Münster über die gelungenen Entwürfe (v.l.). (Foto: FH Münster/Pressestelle).

Münster (12. Januar 2016). In der ersten Besprechung fürs Projekt herrschte noch große Stille. Sich mit sexualisierter Gewalt auseinanderzusetzen, und das gleich beim ersten praxisbezogenen Projekt, war neu für die Drittsemester vom Fachbereich Design der FH Münster. Nach dem Besuch in der Beratungsstelle Zartbitter Münster e.V. wussten die Studierenden, wie sie an das schwierige Thema herangehen sollten. Die Aufgabe: eine Kampagne mit Plakaten, Flyern und Website zu entwickeln, die besonders junge Menschen über das Hilfeangebot von Zartbitter informiert – und die Betroffenen ermutigen möchte, so früh wie möglich den Kontakt zur Beratungsstelle zu suchen.

„Denn vor allem 14- bis 19-Jährige haben aufgrund ihrer Lebenssituation große Schwierigkeiten, sich selbst Hilfe zu holen“, erklärte Kirsten Hansen von Zartbitter. Sie würden oft ihre Erlebnisse verdrängen und Unterstützung erst viele Jahre später in Anspruch nehmen. Aber je früher die belastenden Folgen behandelt würden, desto größer wären die Chancen für ein unbeschwertes Leben, so die Fachberaterin für Psychotraumatologie.

„Alle sechs Teams haben die Aufgabe mit Bravour gelöst“, lobt Hansen die Studierenden beim Projektabschluss. Gleichwohl müsse es einen 1. Platz geben, denn nur eine Kampagne werde umgesetzt. Die Zartbitter-Mitarbeiter entschieden sich für den Entwurf „Ja. Nein. Viel-leichter“, weil er „eine kleine Geschichte erzählt und die Betroffenen nicht unter Druck setzt, sondern mit einer Wortspielerei auch die eigene Entscheidung, sich Hilfe zu holen, respektiert“.

Es war nicht nur der Geldpreis, der Freude beim Siegerteam auslöste, sondern auch der Praxisbezug des Projekts: Briefing durch den Auftraggeber, Präsentation, Auswahl – ein Prozedere, wie es die zukünftigen Designer in ihrem Berufsfeld erwartet. Die Kampagne wird umgesetzt, die Plakate sind im Sommer auf Litfaßsäulen zu sehen, praxisnäher geht es kaum. „Ich könnte mir vorstellen, später in der Kommunikationsgestaltung meinen Schwerpunkt zu setzen“, sagte denn auch Student Pascal Reckel.

Diplom-Designer Paul Plattner-Wodarczak, der gemeinsam mit Diplom-Designer Jakob Maser das Projekt geleitet hatte, lobte die Teams für „das konzentrierte Arbeiten und ihre Empathie“. Hansen ging sogar noch einen Schritt weiter: „Jeder von Ihnen kann als Botschafter für diese Sache in die Welt geschickt werden.“

Zum Thema:
Die Ausbildung am Fachbereich Design der FH Münster schließt das gesamte Designspektrum durch die vier angebotenen Schwerpunkte Kommunikationsdesign, Illustration, Mediendesign und Produktdesign ein. Sie bietet den Studierenden ein ungewöhnlich offenes Feld für experimentelle Gestaltungen und zielbezogene Denkansätze, die optimal für den beruflichen Alltag vorbereiten. Neben dem Bachelorstudiengang Design bietet der Fachbereich den Masterstudiengang Design – Information und Kommunikation an.
Zartbitter Münster e.V., Beratungsstelle gegen sexualisierte Gewalt für Jugendliche ab 14 Jahren, Frauen und Männer, ist 1986 Jahren gegründet worden. Schwerpunkte der Arbeit sind die Beratung von Betroffenen, Gruppenangebote sowie Prävention. Der Name entstand nach einer Aussage einer Frau mit sexualisierter Gewalterfahrung in der Kindheit: „Zart war ich – bitter war's.“


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