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Digitalisierung in der Arbeitswelt: Chance und Herausforderung

Ringvorlesung über „New Work“ an der FH Münster mit Dr. Ole Wintermann


Münster (21. Dezember 2018). Lebensmittel verteilen sich digital, ein Roboter mauert eine Wand, eine App vernetzt den Wetterdienst mit der heimischen Heizungsanlage – was wie Zukunftsmusik klingt, ist vielerorts längst schon Realität. Doch Deutschland sei nicht gerade das, was man als Vorreiter der Digitalisierung bezeichnen kann, sagt Dr. Ole Wintermann von der Bertelsmann Stiftung. Ihn hatte das Institut für Prozessmanagement und Digitale Transformation (IPD) der FH Münster eingeladen: als Referent bei der Ringvorlesung „New Work – Wie die Digitale Transformation die Arbeitswelt verändert“.

„Ganze drei Milliarden Euro gibt die Regierung nun für die große Digitalisierung aus – in etwa so viel wie allein die Stadt Shanghai in einem Jahr“, berichtet der Senior Projekt Manager. Damit Digitalisierung Erfolg habe, sei aber auch die Kultur im Unternehmen entscheidend. „Sie ist unheimlich wichtig für einen Wandel hin zur positiv wahrgenommenen Digitalisierung.“ Die jetzigen Entscheider aus der Baby-Boomer-Generation sähen Digitalisierung vor allem als etwas ausschließlich Technisches oder sogar etwas Bedrohliches. „Sie verbinden damit Burn-out, Cybermobbing und Fake News“, weiß der Experte aus vielen Gesprächen mit Managern. Um zu begreifen, dass Digitalisierung Teilhabe, Vernetzung, Innovation, Kollaboration und das Überwinden klassischer Hierarchien möglich macht, bedarf es erst eines großen Umdenkens auf der Managerebene. „Digitalisierung ist mehr als mit dem Enkel skypen.“

Und sie hat auch entscheidenden Einfluss auf die Arbeitswelt. „Tätigkeiten werden wichtiger, Berufe unwichtiger. Arbeit wird örtlich entwurzelt und flexibler, und es entwickeln sich ganz neue Arbeitstypen – so genannte Gig-, Click-, Cloud- und Crowd-Worker“, berichtet der Experte aus seinen Studien. Diese „Plattformarbeiter“ arbeiten mit ihrem Wissen autark, nur mit Klicks, selbstständig oder auch mit anderen vernetzt.

„Es ist so viel Potenzial da, wir müssen es nur nutzen.“ Dabei bleibe die Digitalisierung ohne die entsprechende Arbeitskultur allerdings unwirksam, sagt Wintermann. „Unser Problem ist nicht die Hardware oder die Software – es ist der mangelnde Wille zur digitalen Arbeitskultur.“ Auf dem Markt würden dazu aktuell am häufigsten Experten im Bereich Data Science gesucht. „Vielleicht vertiefen Sie diesen Bereich an der FH Münster? Der ist auf jeden Fall zukunftsweisend“, so die Empfehlung des Experten an die Studierenden.


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