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Mehr Features, schneller online

Konrad Schneid forscht in seiner Promotion an der FH Münster zu prozessgesteuerten Anwendungen


Münster (11. April 2019). Bitte Update installieren – die Nachricht leuchtet regelmäßig im Smartphone auf. Danach erwarten die Kundinnen und Kunden eine Vielzahl neuer Knöpfe, Features und Funktionen. Hinter dem kurzen Update steckt aber viel Zeit, vor allem Software-Entwicklung. „Alle neuen Features müssen nicht nur entwickelt, sondern auch noch manuell getestet werden. Das dauert zu lange und ist nicht sehr anwenderfreundlich – vor allem in Hinblick auf den Konkurrenzkampf am Markt“, erklärt Konrad Schneid.

Der Promovend der FH Münster setzt stattdessen auf einen automatisierten Ablauf aus der Wirtschaftsinformatik, dem Continuous Delivery: Dabei durchlaufen Änderungen an der Anwendung schon automatische Tests, während diese gebaut wird. Treten keine Fehler oder Probleme auf, wird die neue Version direkt ausgeliefert, ist zum Beispiel direkt online. In seiner Doktorarbeit will Schneid diesen Ansatz mit Anwendungen verknüpfen, die aus Prozessmodellen basieren.

„Prozessmodelle bilden die Geschäftslogik ab und sind sowohl für die Fach- als auch für die IT-Abteilung verständlich. Sie bilden sozusagen die gemeinsame Sprache für alle Beteiligten“, erläutert der Promovend vom Fachbereich Wirtschaft, der Münster School of Business (MSB). Schritt für Schritt wird aufgezeigt, was in welcher Situation passiert und was das wiederum weiter anstößt. Den Vorgang kennt man zum Beispiel aus Online-Shops: Eine Bestellung kommt rein, sie wird geprüft, zusammengestellt und verschickt, dann wird die Rechnung erstellt und versandt, schlussendlich die Bestellung archiviert. „Logik steckt also nicht nur im Code, sondern auch im Prozessmodell – es steuert sozusagen die Anwendung.“

Diese Verfahren zur Softwareauslieferung sind allerdings nur für traditionelle Anwendungen gängig, die aus Programmcode bestehen. Anwendungen, die zusätzlich auf Prozessmodellen basieren, werden bislang kaum betrachtet – denn es fehlen noch Ansätze, wie Wissenschaftler und Praktiker Prozessmodelle als wichtige Bestandteile der Geschäftslogik in das automatisierte Verfahren, das Continuous Delivery, integrieren können. „Das ist eine relevante Forschungslücke, die ich vorantreiben will“, sagt der 28-Jährige. Kontakt mit der Thematik hatte Schneid schon während seines Studiums in einem Forschungsprojekt bei seinem jetzigen Betreuer Prof. Dr. Sebastian Thöne im Masterstudiengang Wirtschaftsinformatik. Nach dem Abschluss stieg er in die IT-Beratung ein, kehrte dann aber nach einem Jahr zurück zur FH Münster und startete seine Promotion. „Während ich gearbeitet habe, habe ich einfach gemerkt, wie sehr mich das Thema reizt“, erzählt Schneid. „Jetzt kann ich in diesem Bereich forschen und mein Wissen vertiefen.“

Und Bereiche, die von seinen Überlegungen profitieren, gibt es einige: Zum Beispiel die Finanzbrache oder Versicherungs- und Schadensabwicklungen, die von langen Entwicklungszeiten geprägt sind. Kein Wunder, dass Viadee, eine IT-Unternehmensberatung aus Münster und Partnerunternehmen des Studiengang Wirtschaftsinformatik, das Vorhaben unterstützt. „Praxis reinbringen hilft mir zusätzlich, die Sichtweise zu ändern.“ Gemeinsam haben sie schon ein wissenschaftliches Paper veröffentlicht.

Ein Jahr ist Schneid nun ungefähr dabei, er hat seine Ansätze schon in Sydney und auf Zypern bei wissenschaftlichen Konferenzen vorgestellt. „Es macht mir Spaß, die Idee kurz zu präsentieren, dann darüber zu diskutieren und mich mit anderen zum Thema zu vernetzen!“


Zum Thema:
An der FH Münster laufen derzeit circa 130 kooperative Promotionen. Dabei übernehmen sowohl ein Fachhochschul- als auch ein Universitätsprofessor die Betreuung und Prüfung. Bei Konrad Schneid sind dies Prof. Dr. Sebastian Thöne, Fachbereich Wirtschaft der FH Münster, und Prof. Dr. Herbert Kuchen, Institut für Wirtschaftsinformatik der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Schneid hat außerdem eine so genannte Qualifizierungsstelle bekommen: Dabei werden 30 Wochenstunden von der FH Münster für die Promotion bezahlt. Die Hochschulleitung schreibt jährlich acht Qualifizierungsstellen aus, um exzellente wissenschaftliche Nachwuchskräfte zu fördern.


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